Politische Versammlung

Am Wochenende war meine erste politische Veranstaltung. Zwischen März und Mai bin ich der SP Migranten beigetreten. Im März bin ich eingetreten, musste mich aber bis Mai gedulden. Es fand in dieser Zeit keine politische Veranstaltung statt. Beziehungsweise keine Veranstaltung, die für mich gedacht war.

In diesem Beitrag erkläre ich was mich umtreibt, welche politische Meinung ich habe. Ich stehe noch ganz am Anfang und ja, alles dauert wirklich lange.

Warum ich mich politisch engagiere

1. Ich bin davon überzeugt, dass die Politik in einem Land nicht auf die Reichen schauen sollte. Die können sich selber helfen, aber nicht die weniger privilegierten. Diese müssten mehr Unterstützung erhalten. Deshalb bin ich gegen die Kürzung der Sozialhilfe.

2. Ich bin davon überzeugt, dass Ausländer Wahlrecht erhalten sollten. Man kann sich um den Umfang streiten, aber nicht um den Kern. Ein Ausländer, der hier arbeitet und Steuern zahlt, sollte mitbestimmen wohin seine Steuern gehen. Das bedeutet, dass er auf der Gemeindeebene mitbestimmen sollte. Mit einer sprachlichen und politischen Integration fördert man das Zusammenleben von Ausländer und Einheimischen. Denn sie können sich an bestimmten Themen auch wie Einheimische beteiligen. Es fördert die Gleichheit.

3. Die Umwelt ist für mich auch ein wichtiger Punkt. Wir sind betroffen von der globalen Erwärmung. Das bedeutet, dass wir nicht immer mit den Flingern auf andere Länder zeigen sollten, sondem bei uns selbst anfangen. Weniger Ausstoss von co2, mehr Recycling, weniger Verpackung in den Läden. Die Steuer von co2 ist ein Schritt. Dieser muss konsequent durchgezogen werden.

Dies meine drei wichtigsten Punkte. Frauenrechte sind mir ehrlich gesagt nicht so wichtig. Denn wenn wir die Erde weiterhin so kaputt machen und nichts gegen den Klimawandel machen, brauchen wir keine Frauenrechte mehr. Denn es gibt ganz andere Probleme, als Stimmrechte.

Über was spricht man in Versammlung?

Wir haben über das Positionspapier der SP Migranten gesprochen und dieses angenommen. Viel über Best practice in der Politik, wenn man in die Politik gehen will. Allerdings sind dies Politiker der 2. Generation von Migranten. Die erste Generation, also die Ausländer, die in die Schweiz gezogen sind, sind in der Minderheit. Da gib es nämlich sehr viele Unterschiede in der Bezeichnung von Ausländer.

Dann haben wir uns über das Positionspapier der Europawahl auseinander gesetzt und dafür einen neuen Namen gesucht. Es wurden Vorschläge gemacht und diese durch demokratischen Entscheid gewählt.

Was hat mit gut was hat mit weniger gut gefallen

Ich glau, wenn ich nicht getwittert hätte, wäre mir sehr langweilig gewesen. Denn es war sehr lange. Ich bin mir auch nicht sicher, wohin die Partei will. Sie sitzt zwar als Beratung in einzelne Kremien, aber wie man da reinkommt ist mir schleierhaft. Die Gruppen wurden nicht vorgestellt, sondern nur das Positionspapier. Selbst da stimme ich nicht in allen Punkten zu. Die SP Migranten setzt sich sehr für Frauenrechte ein. Das ist mir weniger wichtig.

Ich würde gerne etwas im Umweltbereich machen, denn ab nächsten Monat fange ich bei dem Verein energiecluster an.

Ich fand es zwar interessant, aber von den Themen eher weniger. Ich will ja nicht abstimmen, sondern gestalten.

Wie geht es weiter?

Das weiss ich selber nicht so genau. Ich habe keine weiteren Informationen nach der Versammlung erhalten. Es ist zwar erst eine Woche vergangen. Ich bin jetzt etwas verwirrt. Halte euch aber auf dem laufenden.

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Nachbarschaftsfest

Wie ist nun das Nachbarschaftsfest gelaufen? Die Vorbereitungen waren relativ gering. Doch es haben sich alle aus dem Haus angemeldet, bis auf zwei Bewohner. So waren wir am Ende 20 – 25 Leute. Deshalb mussten wir das in den Eingangsbereich des Hauses verlegen, weil die Wohnung von uns einfach zu klein war.
Jeder hat irgendwas mitgebracht, entweder eine Flasche Wein, Bier, Säfte oder sogar etwas zu Essen. Danach hatten wir zwei Wochen noch etwas zu trinken oder zu snacken vom Fest.
Das erste Kennenlernen ist schliesslich irgendwie immer gleich. Man redet über Themen wie Wohnung. Was läuft nicht gut, was passt nicht oder was hat man sich anders vorgestellt. Dann kommt hinzu woher man kommt, wo man früher gewohnt hat und wie man hier her gekommen ist. Das ist natürlich das erste Abtasten.
Im Laufe des Abends wurde die Gespräche tiefer und man lernte sich so langsam kennen.
Nun, für viele Schweizer ist so ein Fest etwas besonderes, denn sie kennen das eher nicht so. Die Idee des Nachbarschaftsfest hatte ich aus Fribourg. Denn dort war einmal im Jahr ein Zusammenkommen von Nachbarn. Das soll das Zusammenleben der Menschen verbessern. Denn durch die Bekanntschaft der Nachbarn ist man grosszügiger bei Lärm oder ähnliches. Es wird zudem die Hemmungen reduziert schnell beim Nachbarn zu klingeln und sich entweder etwas auszuleihen oder sich zu beschweren.

Wie gesagt für viele Schweizer ist ein solches Nachbarschaftsfest etwas fremdes. Doch wie lernen sie die Nachbarn kennen? Ja, das ist mir auch irgendwie unklar. Doch viele Schweizer haben relativ wenig Beziehungen zu Nachbarn. Sie leben eher anonym zu ihnen. Freunde sind eher andere Menschen und nicht die Nachbarn. Man trifft sich auf den Stegen und im Treppenhaus. Begrüsst sich und wenn es hoch kommt, macht man kurz Smalltalk.

Nehmen wir folgendes Beispiel: ich fahre mit einem Bewohner des Hauses ab und an im gleichen Haus. Wir begrüssen uns im Haus und jeder geht seines Weges. Da findet kein Smalltalk statt. Ich denke, dass dies das Paradebeispiel ist. Es ist normal eher anonym irgendwo zu wohnen.

Während unserem Fest machten wir nun ab, dass wir uns alle nochmals im Sommer treffen uns grillieren. Mal sehen, ob dies stattfinden wird.

Einstieg ins „Berufsleben“

Während ich an meiner Masterarbeit sass und schrieb, verschickte ich stetig Bewerbungen. Es gab eine Zeit, in der ich einfach keine Lust mehr hatte mich zu bewerben und Motivationsschreiben zu bearbeiten. Im Moment befinde ich mich wieder an einer solchen Stelle. Ich erhielt dauernd Absagen und nur ein Vorstellungsgespräch.
Darunter war eine Stelle im Bereich Kommunikation, die ich auch erhielt.
Der einzige Nachteil, es war eine Stelle für drei Monate und ohne Entgelt. Das bedeutet, ich habe aus Verzweiflung eine Stelle angetreten, in der ich drei Monate kein Geld erhielt. Dabei war es so, dass ich die Krankenkasse selber vom ersparten Geld finanzieren musste, meine Handyrechnung und alle anderen Ausgaben, die so in den drei Monaten anstanden. Ich war in dieser Zeit nicht vom Betrieb aus krankenversichert oder hatte eine Unfallversicherung.
Während ich eine 42,5 Stundenwoche hatte, dachte ich mir dauernd, dass dieses Praktikum ein Einstieg in das nächste Praktikum wäre. Ein Schritt in die richtige Richtung. Denn auch in dieser Zeit bewarb ich mich.
Aber auch hier dauernd Absagen und zwei Vorstellungsgespräche. Eines davon erhielt ich. Die ist allerdings schlecht bezahlt, 60 Prozent und ein halbes Jahr. Die Arbeit dagegen interessant und anspruchsvoll. Im Februar fange ich richtig an, denn jetzt werde ich eingearbeitet.

Jetzt bin ich desillusioniert von dauernden Absagen, einem vergagenem Praktikum, in dem ich nicht wirklich etwas gelernt habe und einer Zukunft, die nicht besser aussieht. Dazu kommt, dass ich einen Aufenthaltsstatus L habe und wiedereinmal keinen richtigen Anspruch auf Reduktion von Krankenkassengebühren. Das bedeutet, dass die hälfte meines Gehalts für die Krankenkasse drauf geht. Von Altersvorsorge spreche ich nicht einmal. Mit meinem jetzigen Vertrag wird diese Kurzaufenthaltsbewilligung einfach immer weiter verlängert.

Eigentlich hatte ich vor meinen Wohnsitz in Deutschland in die Schweiz zu verlegen. Denn es könnte sein, dass ich in Deutschland Steuern auf mein restliches Einkommen zahlen muss. Dann arbeite ich für Krankenversicherung und Steuern und erhalte nichts. Denn in der Schweiz steht mir mit dieser Kurzaufenthaltsbewilligung kein Cent zu. In Deutschland bekomme ich auch keinen Rappen, denn ich wohne schliesslich nicht mehr dort.
Ich befinde mich also in einer Zwickmühle. Den Wohnsitz kann ich in die Schweiz verlegen, habe aber immer nur den Kurzaufenthaltsstatus, bis ich ein Praktikum von mindestens einem Jahr finde. Ich habe jetzt schon keine Vorteile aus Deutschland und nur Nachteile in der Schweiz. Dennoch arbeite ich hier und kann mir nicht mehr vorzustellen nach Deutschland zurück zu gehen.

Ich weiss einfach nicht, was ich falsch mache. Ich habe zwar lange studiert, das liegt aber auch an einer Krankheit. (mit der man natürlich nicht hausieren geht und nicht in Bewerbungen aufführt)
Vielleicht war ich zu naiv, denn ich dachte wirklich nach einem Praktikum hat man etwas mehr Chancen. Das war aber bei mir nicht der Fall. Ich erhielt genauso viel Absagen wie nach dem Abschluss des Studiums. Das deprimiert und fördert nicht gerade die Motivation sich noch weiter zu bewerben.

So habe ich mir den Einstieg ins „Berufsleben“ nicht vorgestellt. Dabei stelle ich keine Ansprüche. Ich will nur genug um meine Krankenkasse bezahlen zu können und etwas für die Altersvorsorge zurück zu legen. Wenn dann 200 Franken übrig bleiben ist mir das schon genug. (Was einem Einkommen von etwa 800 Franken ausmacht, wobei etwa 1200 -1500 Franken etwa ein Arbeitsloser und Sozialhilfeempfänger bekommen; das ist der untere Lohnpunkt)

Keine Themen, aber noch da

Das neue Jahr, 2019, hat angefangen und es bleibt irgendwie beim alten. Das letzte Jahr habe ich meinen Master beendet und erfolgreich abgeschlossen. Worüber ich auch wirklich froh bin, sodass ich keine Vorlesungen mehr besuchen muss.
Abgeschlossen habe ich auch mein Praktikum, aber in dieser Zeit nichts verdient. Das Praktikum war teils interessant, teils deprimierend. Aber der schwierigste Teil ist, dass ich einfach nichts verdient habe. Ich wusste das natürlich im Vorfeld. Natürlich. Es war das einzige Angebot in dieser Zeit und wollte einfach arbeiten und nicht mehr daheim rumzusitzen. Ich arbeite nämlich sehr gerne und werde gerne gebraucht oder anerkannt. Das fällt einfach weg, wenn man studiert.

Ich bin auch umgezogen und habe mich wirklich bei den Nachbarn vorgestellt. Am Freitag wird ein Nachbarschaftsapero bei uns stattfinden. Ich bin gespannt und werde darüber am Wochenende berichten.

Im Februar fange ich nun meine neue Stelle an. Und wieder einmal wird es nur eine Notlösung sein, denn sie ist nur 60 Prozent und wieder einmal nicht gut bezahlt. Jetzt mache ich mir Sorgen, dass ich nicht komplett ausgelastet bin. Deshalb suche ich irgendeine andere weitere Stelle und eine weitere Weiterbildungstätigkeit.

Ich habe die Helvetisierung nicht vergessen. Sie wird weiter fortgesetzt.

Im Moment habe ich einfach keine Themen, über die ich schreiben könnte. Wenn ich im Februar arbeite, kann ich darüber berichten. Denn das wird interessant. Und ich überlege seit einigen Tagen über ein neues Projekt. Aber es ist noch nicht ausgereift.

Der Post sollte nur ein Statusupdate sein, dass ich noch da bin und nicht vergessen habe zu schreiben. Mir schlägt dieses nichts machen einfach auf das Gemüt.

2 Monate Arbeit – meine Erkenntnisse

Meine erste mehr oder weniger richtige Arbeitsstelle ist in vier Wochen vorbei. Sie war kurz aber einiges konnte ich dennoch lernen.

1. Social media geht nicht nebenbei

Das ist vielleicht die interessanteste Aussage. Ich habe gemerkt, dass in meiner jetzigen Stelle die Arbeit mit social media unterschätzt wird. Man kann zwar ohne Redaktionspan irgendwas machen, aber man erweitert seinen Kreis nicht. Wenn ich irgendwas vorbereitend schreibe, liegt das erst einmal flach und wird lange Zeit nicht gegen gelesen. Dann warte ich auf weitere Arbeit. Die kommt aber nicht. Es bleibt also bei mir auch alles liegen.

Social media braucht Vorbereitung und Planung und die richtige Software. Man muss wissen welche Zielgruppe man hat, damit man die ansprechen kann. Im Moment bewege ich mich mit den gleichen Leuten im gleichen Kreis. So wird das nichts mit Erweiterung der Zielgruppe. Dafür müsste man tweets planen. Einen Plan aufstellen und danach schreiben. Möglicherweise sogar mit Sponsoring posts. Das ist nicht der Fall.

Dann fehlen mir die richtige Software. Ich weiss nicht was die sein könnte, aber monitoring der Themen und diese abspeichern wäre sinnvoll für weitere Postings.

Man kann natürlich auch einfach drauf los posten, hat aber weniger Wirkung.

Helvetisierung: Sprache

Auf vielfachen Wunsch, was mich sehr gefreut hat, führe ich eine neue Kategorie ein. Sie wird über das Leben in der Schweiz gehen. Hier berichte ich über Dinge, die mir auffallen.

Das offensichtlichste an der Schweiz ist wohl die Sprache. Naja eigentlich sind es ja vier. Aber heute wird es um das Schweizerdeutsch gehen. Vielleicht denken jetzt einige, das wäre das Deutsch das Schweizer reden, wenn sie hochdeutsch reden. Nein, das ist es nicht. Es gibt ganz viele Dialekte. Manchmal verstehen die Schweizer sich untereinander nicht.

Ich muss zugeben, dass ich es nicht spreche. Aber ich verstehe es. Bei mir sind allerdings die kleinen Nuancen in die Alltagssprache übergegangen.

Ich sage: da hat es noch einen Platz zum parkieren. Da hat es… Wird sehr gerne verwendet. Bei mir gibt es kein gibt mehr. Mir fällt das nicht mehr auf und es ist normal geworden.

Ich sage: gehen anstelle von fahren, laufen anstelle von gehen und joggen anstelle von laufen. Also ich gehe mit dem Bus oder mit dem Auto. Ich laufe zum Bus. Was natürlich nicht impliziert, dass ich ihm hinterher laufe. Ich laufe zum einkaufen. Naja manchmal sage ich noch gehen. Das hört sich komplizierter an als es ist. Man nimmt das deutsche Wort und geht einen Schritt zurück.

Ich gebe dir ein Telefon, heisst nicht, dass ich dir ein Telefon gebe. Es heisst nur, dass ich dich anrufe. Ich habe ein Telefon gemacht, weisst auch nicht, dass man etwas mit den Händen gefertigt hat. Es heisst, dass ich telefonierte. Ich mache ein Telefon. Oder man sagt: ich telefoniere dir.

Genauso mit der Besprechung: die gibt man nicht, sondern macht man. Ich mache dir einen Termin.

Hört sich alles komisch an? Vielleicht.

Identität

Neulich war ich auf einer Veranstaltung über Identität. Es ging darum wie man sich fühlt und zu welcher Nationalität man sich zugehörig fühlt. Jetzt ist es nicht so, dass man sich nur einer Nationalität zugehörig fühlen kann, sondern zu mehreren in mehreren Situation. Ein Beispiel dafür zu finden ist schwierig. Es kann sein, dass man in einem Umfeld sich eher anders verhält. Schweizer geben sich sehr gerne die Hand beim Verabschieden Veranstaltungen.

Auch wenn man sich sehr schnell anpassen kann, Sprache kann eine Voraussetzung für Identität sein. Wenn man die Sprache kann ist es einfacher sich zugehörig zu fühlen. Mir fällt das auch hier wieder auf. Französisch zu sprechen erleichtert den Kontakt zu anderen Menschen. Man kann mit ihnen austauschen.

Nun, auch wenn ich Sprache wichtig finde, war es hier gerade nicht einfach mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Ausserhalb der Universität hatte ich praktisch keine Kontakte. Die Nachbarschaft ist sehr anonym. So lernt man keine Sprache.

Auch eine Voraussetzung für das Lernen ist Geld. Man muss wenigstens eine Basis an Grammatik und Vokabular haben um zu sprechen. Dafür braucht man einen Kurs. Diesen Kurs muss man bezahlen. An einem bestimmten Punkt hat mir das Geld einfach gefehlt für einen Kurs. Zudem hatte ich niemanden, mit dem ich französisch reden konnte.

Ich hatte zeitweise die Idee mehr über die Kultur und die Identität von Schweizern zu sprechen. Helvetisierung sozusagen. Es sind eben die feinen Unterschiede, die es ausmachen. Wenn es euch interessiert, dann mache ich eine Serie daraus. Jetzt ist es an euch, wollt ihr so etwas lesen?