Der typische Schweizer: Vorurteile

Nach meinem nicht besonders erfolgreichen Kontaktversuchen an der Universität überlegte ich mir, wie sich ein typischer Schweizer verhält. Das kuriose daran ist, dass es nicht DEN Schweizer gibt. Deutschschweizer aus Zürich sind anders als Deutschschweizer aus Basel. Basel ist Dreilandeck und dadurch etwas offener als Zürcher. Dazu kommt, dass Schweizer aus der Romandie – der Westschweiz, dem französischen Part, anders sind als Tessiner. Die Westschweizer sind tendenziell eher nach Frankreich – dem Land nicht Paris – gerichtet. Die Tessiner müssen gezwungener Massen irgendwelche anderen Sprachen lernen und daher schon offener auf andere Menschen. Denn im Tessin existiert keine grosse Industrie.
Die Schweiz ist also eher drei geteilt: Romandie, Deutschschweiz, Tessin.

Sprache im Land

Jeder von denen hat kulturelle Teile des jeweils anderen gleichen Sprachlandes. Das heisst die Romandie besitzt Anteile an der französischen Kultur, will sich aber gleichzeitig von ihr abgrenzen. Interessant ist dies, in dem sie zwar langsamer reines französisch reden, dennoch mit lokalen Spezifikationen. So sind die Zahlen komplett anders.
Die Deutschschweizer haben sowieso eine andere Sprache.
Oft bleibt und arbeitet ein Deutschschweizer lieber in seiner Sprachregion und der Westschweizer in seiner. Französisch bzw. Deutsch wird zwar in der Schule unterrichtet, doch ohne Austausch kann man nach einigen Jahren nicht mehr mit einer Person aus dem anderen Sprachkreis reden. Durchmischungen, zum Beispiel von Zürich oder Luzern nach Genf, finden relativ wenig statt. Im Gegenzug haben Westschweizer Probleme damit deutsch zu sprechen, denn Deutschschweizer sprechen Umgangssprache. Diese wird nicht in der Schule gelernt. Man verseht sich praktisch nicht. Zudem haben Westschweizer das Problem ihres französischen Akzentes im Deutschen.
Zur weiteren Vereinfachung hat man ja auch noch zweisprachige Kantone und Städte. Die meisten offenen Bewohner dieser Städte sind mehr oder weniger zweisprachig. Sie können überleben in der anderen Sprache. Das allerdings erwartet man auch von den neu zugezogenen in diese Stadt.
Wenn man sich auskennt, weiss man langsam welche Muttersprache in welchem Kanton gesprochen wird.
Ein Unterschied besteht demnach vor allem in den Deutschschweizern und den Westschweizern.

Der Deutschschweizer

Er ist zurückhaltend, abwartend, neutral in seinem Urteil und zu jedem nett.
Dazu kommt, dass er bei Gruppengesprächen erst einmal eine Vorlaufzeit braucht. Das heisst, man sollte erst einmal ein paar Minuten abwarten und dann seine Meinung unter Einbezug von anderen Meinungen kuntgeben. Oft wird die eigene Meinung gesagt, andere Meinungen werden dazu einbezogen und auf diese wird eingegangen. Im allgemeinen wird sehr viel diskutiert. Alle Meinungen wollen schliesslich irgendwie unter einen Hut gebracht werden.

Freundschaft

Schweizer sind zwar zum einen sehr nett, aber reserviert im Umgang von neuen Menschen. Es braucht sehr lange sich mit ihnen zu befreunden. Das liegt zum einen daran, dass Schweizer sehr lokal wohnen. Ein Umzug von Bern nach Düdingen (15 Minuten mit dem Regionalzug S-Bahn) kostet eine Überwindung, denn die Freunde und Familie bleiben ja in Bern. Da kommt man ja nicht so schnell hin. Die bereits bekannten Freunde hat man schon aus der Schule. Man kennt sich praktisch schon sehr lange. Ein Schweizer hat weniger Freunde, aber dafür kann man sich auf die verlassen und es sind tiefere.
Wenn man nun mit neuen Leuten zu tun hat, dann ist man erst einmal nett. Nett und freundlich. Vielleicht noch hilfsbereit – zu den richtigen.
In der Nachbarschaft wird eher darauf gewartet, bis der neu zugezogene sich vorstellt. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass ein Schweizer sich beim Neuen vorstellt. Man wartet da lieber ab.
Die Frage ist nun, wie befreundet man sich? Lange Ausdauer, warten, nett sein und höflich. Man geht zum Mittagessen, irgendwann zum Kaffee, dann abends in eine Bar und nach einigen Monaten kann man den anderen auch mal zu sich nach Hause einladen. Schnell geschieht das auf alle Fälle nicht.

Der Westschweizer

Mittlerweile hatte ich auch mit einigen Westschweizern Kontakt. Allerdings kann ich hierzu relativ wenig sagen, denn meine Kontakte sind zu wenig um den typischen Westschweizer zu beschreiben.
Eines ist aber offensichtlich: er ist anders als der Deutschschweizer.
Er ist eher ein Gemisch von der Nettigkeit der Deutschschweizer und der Offenheit eines Franzosen. In der Westschweiz laufen die Uren auch etwas anders. Ein Zuspätkommen ist nicht ganz so schlimm, das nimmt man nicht so genau. Selber kann man ja auch mal zu spät kommen.
Die Arbeitsweise ist demnach auch etwas legerer.
Wenn man französisch spricht, dann ist es einfacher einen Westschweizer anzusprechen. Smalltalk im Geschäft ist auch keine Seltenheit. Nichtbeachten an der Kasse allerdings auch. So spricht die Kassiererin an der Kasse lieber mal mit ihrer Kollegin und beachtet den Kunden nicht. Unfreundlichkeit und Verbesserungen bei der Aussprache ist allerdings auch nicht so selten. Das muss man allerdings nicht so persönlich nehmen, denn irgendwann ist man auch wieder freundlich.
Über persönliche Dinge spricht man eher offener und schneller.

 

Man sieht also Deutschschweizer und Westschweizer haben vieles gemein und sind doch sehr unterschiedlich. Jetzt kommt es auch noch darauf an, in welchem Kanton man wohnt. Also den typsischen Schweizer gibt es nicht.

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